Anselms Blog

Unser altehrwürdiger Riederwald (Eintracht Frankfurt)

28. April 2009

Wenn unsere erste Mannschaft einmal nicht spielt und wir nicht mit voller Innbrunst im Block stehen oder wir durch Repressionen getrieben nur einen Ausweg finden, so haben wir letztlich immer noch einen standhaften Rückhalt. Unseren alten Riederwald, der im Nordosten, neben der nun ehemaligen Geschäftstelle schon seit hundert Jahren seine Stellung hält und dessen Name für alte fußballerische Tradition steht. An ihn führt es die Frankfurt Fans, ob jung ob alt, ob dick ob dünn, ob von weither oder von nahem, da sie erkennen, dass das wahre Herz der Eintracht immer noch an ihrem Geburtsort am Frankfurter Riederwald pocht. Wenn man sich nun von weiten auf den Weg gemacht hat und in die alte, verrostete, türkisfarbene U-Bahn in Richtung Schäfflerstraße eingestiegen ist und auf den meist zerrissenen, dunkelroten Kunstlederpolster platzgenommen hat, kommt in einem schon Konnotationen an ein wahres Retrozeitalter hoch. Wenn man nun im Wagon Platz genommen
hat, sitzen einem die alterwürdigen Frankfurter gegenüber, die großes Verständnis für unsere Beziehung zu unserem Verein haben und uns immer kontemplativ fragen, weshalb wir heute eigentlich in Eintrachtmontur unterwegs seien, da ja eigentlich kein Spiel der Eintracht stattfünde. Mit verschmitzten Blick antwortet man dann meist doch recht stolz, dass man auf dem Weg zur zweiten Mannschaft sei, was bei den meisten doch ein wenig Erstaunen hervorruft. Zudem zeigen sie ebenso volles Verständnis, wenn man einige bekannte Stadionmelodien bis zur Ekstase heraufbeschwört und dann oft im Alkoholrausch die recht dünnwändige , unstabile U-Bahn zum Wanken bringt. Egal ob der Himmel weint oder die Sonne scheint: es ist immer ein andächtiger Augenblick, wenn man mit der U-Bahn aus dem Tunnel ins Licht schießt, auch wenn die größtenteils zerkratzten und beschmierten Scheiben die Lichteinfuhr wie auch die Sicht auf die Umgebung stark beeinträchtigen. Dies kann jedoch auch von Vorteil sein, da man den unliebsamen Hügel von Bornheim und das Volksbankstadion unseres Konkurrenten ja nicht unbedingt in voller Pracht vor sich sehen muss. Ist man dann so schnell wie möglich an jedem genannten Ort vorbeigesaust, so steigt der Adrenalinpegel in einem immer weiter. Die Umgebung ist bekannt und gewohnt, doch verspürt man immer wieder aufs neue Spannung und Aufgeregtheit in einem. Die U- Bahn rattert weiter über die Schienen, man wankt von einer auf die andere Seite und wieder zurück. Ach wäre es doch immer Wochenende, denkt man sich da. Hinter den Bäumen lassen sich mit zunehmenden Hinfortschreiten die Umrissen unseres geliebten Riederwald erkennen. Die nicht vorhandenen Flutlichtanlagen werden sichtbar und auch die Treppenaufgänge, die mit Gras überwuchert sind, kann man nun liebevoll beäugen. Im Hintergrund werden weitere Grünwiesenfelder sichtbar und aus Ziegelsteinen zusammengemauerte Pestalozzieschule zeigt auf ihrer großen, mit weißen Ziffern bestückten Uhr nahe Eins an. Nachdem die marode
U - Bahn mit einem gehelenden Quietschen zum Stehen gekommen ist und sich die Türe zu beiden Seiten aufgetan haben, geht es auf den Weg zur Riederwaldkneipe - ein guter Ort für Stammtische, zum Diskutieren und Debatieren. Um diese Zeit füllt sich die Kneipe immer weiter mit Adlerträgern. Die Wagen mit den benötigten Fahnen, Bannern und Doppelhaltern, die in mühevoller Handarbeit entstanden sind, rollen an. Anschließend geht es an das Entladen. Jeder gönnt sich noch einmal einen Drink um seiner Stimme die optimalen Konditionen bereit zu legen - und dann geht es los. Wind aus vergangenen Tagen weht einem um die Nase - wer mag hier alles schon gespielt haben? Einst Stadion der Eintracht, dann Trainingsplatz und jetzt Leistungszentrum - der Riederwald hat eine bewegte Geschichte. Die Stimmung bei den U23 - Spielen ist locker und gelöst. Alle kennen sich. Jedes Spiel ist schon zu einem Art Familientreffen ,unter Einbezug der alten Diva, geworden. Etliche strömen nun ins Stadion. Der Preis ist gering und alle zahlen ihn - doch wer will kann auch zur Halbzeit gekommen, denn da wird keiner mehr erhoben - oder man schleicht sich um die mit Sträuchern überwucherten Außenränge. Ältere nehmen auf den Sitzrängen platz - die Aktiveren halten die auf den Stehplätzen der Gegengerade bereit. Banner werden aufgeschlagen und aufgehängt. Nach kurzer Zeit ist aus der Gegengerade, die auch nicht mehr in den Schwarz-Roten Farben wie einst strahlt, ein buntes Farbemeer geworden, unter denen sich nun die Fans tummeln. Anfangs sitzen Altbekannte noch zusammen und reflektieren über die anstrengenden Werktage und die vergangenen Spiele der ersten Mannschaft. Doch Spätestens, wenn die erste Trommel den Weg zur Gegengerade gefunden hat, Doppelhalter und Fahnen verteilt werden, rafft sich die Meute zusammen, um ihren Traditionsverein 90 Minuten, tatkräftig, mit Leib und Seele und aus vollem Halse zu Unterstützen. Demnach bedarf dies einer gewissen Ausdauer. Egal ob Herbst, wenn der Himmel grau ist, die Bäume karg und ein kalter Wind durchs Stadion fegt; Egal ob Winter, wenn es schneit, es eise kalt ist und alle mit dicken Winterjacken bepackt sind; Egal ob Frühling, wenn die Blumen langsam wieder anfangen zu gedeihen und der Reif auf dem Grase liegt; Egal ob Sommer, wenn die wütende Hitze uns die Leiber ausbrennt. Wir stehen immer unseren Mann! Denn in jeder Jahreszeit bekommt der Riederwald eine andere Duftnote und nie verliert er an seinem Charme. Wenn dann die Trommel sachte beginnt zu schlagen, werden Lieder gesungen aus vergangenen Tagen - die längst in dem Weiten der AG verstummt sind. Auch als Ort des Kreativen - zur Probe neuer Ideen, neuer Lieder - wart der Riederwald immer der beste Ort. Und so erheben wir unsere Stimmen, so laut das unser Gebrüll bis nach Bornheim soll klingen und in den weiten Fernen auf der anderen Mainseite - die Offenbacher um Atem Ringen. Ob wir nun nur 40 Mann sind oder 500 - es wird immer das beste daraus gemacht. Tiefgreifende Choreographien bewegten schon so manchen. Auch Trauer um verstorbene Mitbrüder wurde offen gezeigt. Gefühle, die aus Ereignissen politischer, privater, vereinsintimer und fußballerischer Art, herrührten , wurden in Gesängen, Choreographien und Bildern verewigt. Die Überzahl der angefertigten Dinge fanden auch im Waldstadion ihren Einsatz. Zu Beginn des Spieles wird man durch blecherne Musik aus den alten verrosteten Stadionlautsprechern begrüßt, darauf hin wendet sich auch der Stadionsprecher, mit seiner markanten Art, an die Fans. Wenn die Mannschaften einlaufen, ist der Jubel, der dann aufbrandet, kaum zurückzuhalten - dies ist gleichbedeutend mit dem Startschuss für die Fans nun ernsthaft sich die Seele aus dem Leibe zu rei0en, um die Mannschaft zum Sieg zu führen. Und die Kurve singt im Chor Eintracht vor Eintracht vor - und die Kurve singt im Chor Eintracht Frankfurt schieß ein Tor! Durch gemütliches miteinander Schaukeln, Hüpfen und Bälgen schwankt die Stimmung zwischen entspannt und angespannt - und steigert sich meist durch schnell aufeinaderfolgende Lieder zur puren Leidenschaft hin - der Adrenalinpegel steigt ins Unermessliche: Die Fans der Eintracht sind stets außer Rand und Band. Auch Lieder die auf unsere Fanfreundschaft hinweisen, sind hier erwachsen: Eintracht Frankfurt, Leutzsch und Bergamo. Wenn das Feuer der Leidenschaft auf dem Höhepunkt im Herzen brennt, kann es auch einmal sein, dass in der Realität eines zum Vorschein kam, was die allgemeine Stimmung nur noch weiter abtrieb. Wenn ein Tor fällt ist die Freude unendlich - wenn es ein Gegentor ist , ist es die Enttäuschung. Doch ist es nicht so, dass wir dann ermüden, sondern immer wieder neue Hoffnung schöpfen. Zur Halbzeitpause kann im Winter gemütlich ein Glühwein oder ein warmer Äbblewoi zu sich genommen werden, für den kleinen Hunger gibt es zudem oftmals eine Würstchen dazu. Auch kann man sich mit den Spielern gemächlich unterhalten, sie besser kennen lernen und Freundschaften entstehen lassen. Was schließlich die Spieler Vertrauen schöpfen lässt und Dankbarkeit auf die konzentrierte Unterstützung. In der zweiten Halbzeit geht es um alles. Der Ball ist rund - und ein Spiel dauert 90 Minuten. Glorreiche Zeiten, Traurige Tage - wir stehen zur Eintracht gar keine Frage - unsere Fahnen - unsere Farben - genau wie die Herzen, die in uns schlagen. Überschüssige Energie und Aggressionen können in Liedern und anderen Aktivitäten gut abgebaut werden. Oftmals entseht bei der U23, dadurch, dass jeder eine Fahne oder einen Doppelhalter führt, einen Farbenwand auf der Gegengerade, die beeindrucken auf alle Eintrachtfans wirkt - und jeder wünschte sich mit in jeder zu stehen und seine Mannschaft anzufeuern. Wenn unsere Zwote nun den Sieg erringt, dann ist die Freude unbeschreiblich und die Spieler werden auf einer Welle von Euphorie zum Spielrand getragen, wo sie mit uns feiern. Wenn wir verlieren, ist das auch kein Sturz ins Tal der Tränen, bei der Zweiten sieht man das lockere - Pfiffe gibt es nicht. Manchmal verflüchtig sich unser Haufen nach wenigen Minuten, manchmal bleibt ein jeder noch ein wenig sitzen um sich einmal richtig auszustrecken und den Tag zu genießen. Der Anfang war für manchen schwer, da der U23 Support von mancher Seite aus mit kritischen Augen betrachtet wurde. Aber dies legte dich mit der Zeit und schließlich sind die U23- Fans und die Eintracht zu einer Familie miteinander verwachsen, die auf einem Miteinander aufbaut - Hoffen wir, dass es in Zukunft so bleiben wird Mit einer ehrwürdigen Choreographie, Danksagungen, Verabschiedungen, Trommellärm und Feuerwerk verabschiedeten wir uns von der Spielstätte Riederwald. Keine andere wird so gut sein wie du! Und auch in Zukunft werden wir in unseren Gesängen deinen Namen preisen und unsere Mannschaft unterstützen, damit du stolz auf uns sein kannst. Danke für solch wundervolle Jahre mit Dir!



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